Januar 2011, das FEG zu Gast in Indien
Donnerstag 30. Dezember 2010, Treffpunkt am Stuttgarter Flughafen.Die bislang zweite Gruppe des FEG startete ihre Reise ins ferne Indien. Der Abschied von zuhause fiel schwer und noch ahnte von uns niemand was für eine wunderschöne Reise allen bevorstand. Vorstellen, was uns bei diesem Abenteuer erleben würde, konnte sich niemand so richtig, da es, abgesehen von Frau Kern und Herr Fettig, für uns alle der erste Aufenthalt in Indien war. Nach einem Umstieg in München und einem anschließend 7-stündigen Flug gefolgt von einer gefühlt ewigen Busfahrt kamen wir also schließlich müde und gespannt in unserem Hotel in Jaipur an. Von da an begannen 2 Wochen voller neuer Eindrücke, Besichtigungen von großartigen Bauwerken und dem Knüpfen neuer Freundschaften.
Nach einem besonderen Start ins neue Jahr auf der Dachterasse unseres Hotels mit allerlei kulinarischen Genüssen und ausgelassenem Tanz (ob nun aktiv oder passiv) besichtigten wir die Highlights Jaipurs: das Amber Fort, zu welchem wir von Elefanten getragen wurden, den Palast der Winde und das Observatorium Jantar Mantar, Weltkulturerbe im Herzen der rosa Stadt. Außerdem lernten wir den gewöhnungsbedürftigen indischen Verkehr kennen, wo alles auf derselben Straße fährt, was fahren kann, und hin und wieder auch eine Kuh den Weg blockiert. Anschließend zog es uns in gefährlicheres Terrain, nämlich in den Nationalpark Ranthambore, wo es auf Tigersafari ging. Dabei hatten wir das große Glück, einem der 22 Tiger dieses riesigen Reservats zu begegnen und saßen schließlich in einem offenen Jeep ca. 3 Meter entfernt von der wunderschönen Raubkatze.
Nach diesem Abenteuer ging es nun endlich nach Ajmer, wo wir von den Familien schon erwartet und mit Blumenketten, Snacks und Getränken in der Mayoor School, unserer indischen Partnerschule, welche auch schon von der letzten deutschen Gruppe besucht wurde, herzlich begrüßt wurden. Dieser überwältigende Empfang war aber nur der Anfang von einer unvergesslichen Zeit mit den indischen Austauschschülern und ihren Familien. Auch wenn wir oft warten mussten (Wir haben scherzhaft gesagt: Die meiste Zeit haben wir mit Warten, Busfahren und Essen verbracht.) lässt sich über dies sehr leicht hinwegsehen, wenn man die Freundlichkeit, mit welcher uns begegnet wurde, betrachtet. Die Gastfreundschaft war atemberaubend; es schien, als läge den Familien allein unser Wohl am Herzen und ich wurde täglich des öfteren gefragt 'Are you feeling comfortable?' Auch mit dem Essen wurde nicht gespart. Es wurde aufgetischt, was auf den Tisch passte, und ein Hungergefühl wurde für uns zur Seltenheit. Mittags wurden wir von der Mutter eines Schülers in der Schule bekocht, die aufwändige Köstlichkeiten für uns zauberte.
Allgemein zeigte die Schule sich nur von ihrer besten Seite und unterhielt uns mit musikalischen Aufführungen des Orchesters und Solo-Sängern, außerdem mit tänzerischen Darstellungen und durch brennende Reifen springenden Schülern. Auch wir versuchten, das FEG würdig zu vertreten und sangen, musizierten, dichteten und tanzten, was das Zeug hielt. Wir wurden außerdem in die Grundlagen des Yoga eingeführt, nahmen an athletischen Wettbewerben teil und erbeuteten dabei die ein oder andere Medaille.
Unsere Ausflüge, die wir teils mit den Austauschpartnern, teils ohne unternahmen, führten uns nach Jodhpur, wo wir das weltberühmte Mehrangarth Fort und die wunderschöne 'blaue Stadt' besichtigten, nach Pushkar, eine Shopping-Idylle, wo wir eine Wüstenfahrt auf Kamelen genießen durften, und ins Barefoot College nach Tilonia. Auch Ajmer lernten wir kennen und fühlten uns wie zuhause. Wir bestiegen den Taragarh-Hill, eine Wanderung, die uns alle noch etwas mehr zusammenwachsen ließ. Auf der Party, die unseretwegen in der Mayoor School gegeben wurde, hatten wir sehr viel Spaß. Beim gemeinsamen Tanzen mussten wir feststellen, wie vielfältig der indische Tanzstil im Vergleich zum europäischen ist und haben uns gleich etwas abgeschaut. Dann, nach 8 viel zu kurzen Tagen, hieß es Abschied nehmen von den neuen Freunden, von der Gastfamilie, von der Schule und von Ajmer.
Es wurden nur wenige Tränen vergossen, was aber eher auf die Tageszeit, nämlich 3 Uhr morgens, und somit auf unser aller Müdigkeit, als auf die fehlende Trauer zurückzuführen war. Wir alle wären noch gerne länger geblieben, jedoch führte uns unser Weg am Ende der Reise zum Taj Mahal, was wir uns dann doch nicht entgehen lassen wollten. Und das zurecht. Alle waren beeindruckt von der Schönheit der Grabstätte und ihrer Anlage. Unsere Rückreise schließlich war lang und kräftezehrend und so kamen wir müde und kaputt, aber mit Koffern reich an allerlei Errungenschaften und Mitbringseln und Herzen voller Glück und Erfahrungen in Deutschland an.
Zusammenfassend kann ich sicher für alle sprechend sagen, dass diese Reise nach Indien eine einmalige Chance für uns alle war. Wir haben sehr viel über die indische Kultur, Mentalität und Gesellschaft gelernt und werden unsere neuen Eindrücke mit uns tragen. Ich persönlich kann sagen, dass mich diese Reise geprägt und mein Bild über Indien geändert hat. Durch die große Armut, die wir gesehen haben, lernt man zu schätzen, was für uns alltäglich ist, und eine Dusche mit warmem Wasser scheint doch nicht mehr so selbstverständlich wie davor. Der Ausdruck 'Unity in diversity' beschreibt dieses Land voller Gegensätze sehr gut und obwohl die Armut so groß ist, ist Indien trotzdem reich an Farben und Schönheit.
Wir bedanken uns außerdem herzlich bei Frau Kern (liebevoll Mutter Teresa genannt) und Herr Fettig (unserem Sepp), die uns diese großartige Reise ermöglicht haben und uns mit so viel Verständnis entgegengekommen sind, als wir zum Beispiel nach 2 Wochen indischem Essen zum Pizza Hut wollten. Danke für diese unvergesslichen Tage!
( Leonie Möck, 12)
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