Frankreichaustausch 2010
Bonjour, mes élèves! Bonjour Madame!So beginnt jede Französisch Stunde, egal bei welchem Lehrer man Unterrichtet hat. Viele verbinden damit meist nur Schlechtes. Vor allem Vokabeln lernen und die schwere Grammatik sorgen dafür, dass vielen Schülern die Lust an Französisch schnell vergeht.
Mir ging es selber nicht anders. Dennoch habe ich schließlich an unserem Französischaustausch teilgenommen, selbst wenn einige Überredungskunst dafür nötig war. Doch im Endeffekt bereue ich es nicht. Ganz im Gegenteil, denn dieser Austausch wird mir wohl noch lange durch den Kopf gehen.
"Hallo meine Lieben, ich habe die Steckbriefe eurer Franzosen dabei!". So oder so ähnlich begann mein Französischaustausch. Kaum als ich meinen ganz eigenen Steckbrief von Frau Wittemer erhalten hatte, wurde ich schon mit Fragen überhäuft. "Wie heißt deiner?", "Hast du ein Mädchen?", "Wie sieht deiner aus?". Solche und noch viel mehr Fragen musste ich beantworten, bevor ich überhaupt selber den Steckbrief meines Franzosen anschauen konnte, auf dem glücklicherweise seine E-mail Adresse eingetragen war. Und so schrieben wir uns schon vorher öfter.
Ankunftszeit 17 Uhr, nur leider kam ich zu spät. Zum Glück hatten unsere Lehrerinnen des Franzaustausches noch auf mich gewartet und übergaben, dann zwar unter verständlichen Misstrauen mir meinen Franzosen. Aurélien Schwab. Ich persönlich hatte ihn mir etwas größer vorgestellt, das lag wahrscheinlich daran, dass ich gute 1,90 groß bin. Jedoch stellte ich schnell fest, dass er eher die Regel war als eine Ausnahme.
So weit so gut, so lange wie ich gebraucht hatte meinen Franzosen abzuholen, umso schneller waren wir dann jedoch auch zu Hause, und umso rascher kamen wir zum Essen. Da wir den Eindruck hatten, wir sollten ein klein wenig unsere Heimat vorstellen, gab es traditionell Maultaschen zum Abendessen und auch sonst wurde mehr schwäbisch aufgetischt als sonst üblich.
Wilhelma, Porsche-Museum und ein kleiner Besuch in Tübingen, so sah unser Programm von schulischer Seite aus. Dass das natürlich nicht alles sein kann für eine Woche Austausch ist klar, so kam noch ein Ausflug auf den Fernsehturm, eine Besichtigung der Rothenberger Grabkapelle, ein Abstecher zur Solitude, die Lange Nacht der Kulturen und ein Kinobesuch dazu. Interessanterweise hatte uns die Sonne ein paar Sonnenstrahlen mehr geschenkt, als wir der Wilhelma einen Besuch abgestattet haben und das im Herbst! Leider nur für diesen einen Tag, denn die restlichen Tage waren leider sehr kalt. Dennoch hatten wir unseren Spaß. Selbst wenn das für uns bedeutete, trotzdem die Schulbank drücken zu müssen. Unsere Klasse hatte allerdings Glück, denn wir mussten, ganz im Gegensatz, zu unseren beiden Parallel-Klassen keine bedeutenden Arbeiten schreiben. Das und unsere durchgehend heitere Laune führten dazu, dass wir eine sehr sorgenfreie Woche verbrachten. Leider kam dann auch bald der Zeitpunkt "Lebe wohl" zu sagen, selbst wenn nur für ein paar Monate.
Abfahrt 9 Uhr am FEG: So wie bei jeder Klassenfahrt reihte sich Koffer an Koffer, besorgte oder auch nicht besorgte Eltern an deren Kinder, die größtenteils mit Neugier und auch mit Freude auf ihre Woche in Frankreich blickten. Und so konnten wir uns es nicht verkneifen, bei jeder Gelegenheit etwas zu essen, was sich später als Fehler herausstellen sollte. Da die Fahrt lange und vor allem langweilig war, musste uns niemand dazu zwingen auszusteigen. Jedoch hätte man uns davor warnen können, wie nett wir begrüßt wurden. Denn unsere Austauschpartner hatten extra für uns eine große Plane mit Bienvenue à Metz angefertigt.
Dennoch hatte ich auch eine kleine Überraschung für meinen Austauschpartner, denn ich hatte während meinen Aufenthalt in Frankreich Geburtstag, aber dazu später. Kaum in Frankreich angekommen, musste ich schon wieder los, und zwar zu den Großeltern, die mich mit einem wahren Festschmaus empfingen. So erkannte ich schnell meinen Fehler, der sich allerdings als nicht so tragisch erwies, denn bei solchen Essen konnte man nicht widerstehen, immerhin gab es Haseneintopf, Kartoffelpüree und Unmengen an Salat. Da die Neugier sehr groß war, sah ich mich mit den in sehr hektischem Französisch gestellten Fragen konfrontiert. Dennoch überlebte ich die guten 2 Stunden Klatsch und Tratsch ohne weitere Probleme. Als ich endlich bei meiner richtigen Gastfamilie angekommen war, bemerkte ich, wie gastfreundlich sie war, denn die kleine Schwester hatte sich die Mühe gemacht, extra für meine Zeit das ganze Haus mit kleine Schildern alla Bienvenue à Metz zu dekorieren.
Schon am ersten Tag zeigten sich bei mir und meiner Gastfamilie erste Schwierigkeiten mit der Kommunikation, denn die Austauschpartner hatten schon wieder eine kleine Überraschung geplant, einen Besuch in der "Spielehalle", jedoch war mir schon dank der vielen Versuche mir zu erklären, was wir eigentlich vorhaben, klar, dass es sich eben nicht um eine "Spielehalle" handelte. Allerdings wüsste ich selbst im Nachhinein nicht, wie man "Laser Max" beschreiben soll, zumindest auf Französisch. Auf Deutsch würde ich es als "rumrennen in einem Labyrinth ähnlichen Gebilde" bezeichnen, bei dem man sich versucht mit Laserpointern an Schulter, Bauch und Rücken zu treffen. Dafür gibt’s dann Punkte und der Beste kriegt, dann natürlich einen Preis.
Am nächsten Tag stand ein Besuch im Rathaus auf dem Programm, bei dem wir allerdings nur ein Auge auf das für uns hergerichtete Buffet hatten. Denn die nette Dame, die uns begrüßte, sprach vor allem über Politik, deren Inhalt wir aufgrund unserer nicht ausgereiften Französischkenntnisse nicht im Detail nachvollziehen konnten, weshalb das hergerichtete Buffet eher unser Interesse weckte. Danach durften wir uns die Kathedrale von Metz von innen ansehen.
Nach den sehr belehrenden Parts des Austausches, Stadtrundführung und noch vieles mehr, freute ich mich immer wieder in mein kurzzeitiges Zuhause zu kommen. Obwohl ich mich immer noch an die 4-5 Mahlzeiten gewöhnen musste. Eines freute mich dann jedoch sehr und zwar, dass ich einem Spiel des Fußballclub von Metz beiwohnen durfte. Allerdings war ich sehr überrascht, welche Fankultur in Frankreich herrscht. Denn außer "Putain" und ähnlichen Beleidigungen für die Spieler auf dem Feld hörte man erschreckend wenig. Jedoch war das dass noch lange nicht Überraschendste für mich. Denn zu meinen Geburtstag kam dann doch noch eine ordentliche Überraschung auf mich zu. Die kleine Schwester meines Austauschpartners hatte extra für mich mit ihren Freundinnen einen Tanz zu "Justin Bieber Baby" eingeübt. Dazu gab es dann später Crêpes, sowohl salzige als auch süße, woran ich mich erst einmal gewöhnen musste. Am nächsten Tag schaute ich mit Vater meines Austauschpartners das Wohnviertel an und arbeitete die Crêpes von den Hüften. Darauf folgte ein Tag in Verdun, der die Laune drückte, denn die vielen Kreuze und ein Besuch im dazugehörigen Museum verdeutlichte uns sehr schnell, was hier genau über Monate hinweg tobte. Selbst wenn die Landschaft selber sehr friedlich wirkte, reiht sich Bunker-Anlage an Bunker-Anlage.
Allerdings ging auch diese eine Woche schnell vorbei und so kam der Zeitpunkt nun endgültig "Lebe Wohl" zu sagen. Dennoch waren wie alle auch irgendwie glücklich, wieder nach Hause zu kommen. Und als wir dann nach gefühlten zwei Stunden Fahrzeit wieder vor dem FEG in Stuttgart ankamen, hatten wir genug Geschichten auf Lager von, über und mit unseren Franzosen, selbst wenn sich bei manchen die erste Kontaktaufnahme als schwierig erwies. Eine gute Erfahrung und ein tolles Erlebnis nicht nur für mich.
(Leon-Marco Siegner, 10c)
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