Politik live: Neigungskurs Gemeinschaftskunde in Berlin
Bereits in der zweiten Woche des Schuljahres stand für die 13er des vierstündigen Gemeinschaftskunde-Kurses ein besonderes Ereignis auf dem Programm: eine dreitägige Fahrt in die Hauptstadt Berlin, um dort die aus dem Unterricht bekannte Theorie der erfahrbaren politischen Realität gegenüber zu stellen.
Um die drei Tage in Berlin bestmöglich nutzen zu können, reisten wir per Nachtzug an; dabei konnten wir dank eines organisatorischen Problems der Bahn statt im ursprünglich vorgesehenen Liegewagen mit Kippsessel sogar in den mit Betten ausgestatteten Schlafabteilen übernachten. Nach unserer Ankunft am Donnerstagmorgen verbrachten wir unser Gepäck in unsere Unterkunft, das in Bahnhofsnähe gelegene Jugendgästehaus, und liefen dann zum Regierungsviertel. Im neben dem Reichstagsgebäude gelegenen Paul-Löbe-Haus, das die Büros der Abgeordneten beherbergt, trafen wir den Abgeordneten des Wahlkreises Stuttgart I, den inzwischen verstorbenen Jo Krummacher. Das interessante Gespräch mit Herrn Krummacher über seinen Alltag als Abgeordneter, aber auch über aktuelle Themen der Politik, zeigte uns einen Menschen hinter der Politik. Anschließend konnten wir uns im Bundestagsrestaurant stärken, bevor wir über einen Versorgungstunnel die Warteschlangen vor dem Reichstagsgebäude umgehen durften, um schließlich auf der Besuchertribüne einen Einblick ins Tagesgeschäft der Gesetzgebung in Deutschland erhalten zu können. Kein Besuch des Bundestages wäre jedoch vollständig, ohne eine Besichtigung der Reichstagskuppel, so dass wir, bevor wir in die Freizeit entlassen wurden, von dort aus noch die gute Aussicht über Berlin genossen.
Der nächste Tag führte uns zum Gebäude des ehemaligen Preußischen Herrenhauses, wo seit 2000 der Bundesrat sitzt. Bevor man uns Zutritt gewährte, wurden wir jedoch einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen, die seltsamerweise deutlich schärfer ausfiel, als dies beim Bundestag der Fall war. Doch auch diese Hürde konnte überwunden werden. Eine Vertreterin des Landes Baden-Württemberg klärte uns in einem Sitzungssaal über ihre Aufgaben sowie die allgemeine Arbeitsweise des Bundesrates auf. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir auch, dass wir Glück hatten, nach dem Gespräch eine Sitzung des Bundesrates verfolgen zu können, da dieser in jedem Jahr lediglich zwölf Mal tagt. Fortuna war uns sogar so wohlgesonnen, dass wir von der Besuchertribüne aus den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber kurz ins Auge fassen konnten, bevor er den Plenarsaal verließ
Später am Tag besuchten wir das Auswärtige Amt (AA), wo uns ein ministerialer Mitarbeiter höheren Alters ausführlich über die Aufgaben, Arbeitsweisen und Besonderheiten des Auswärtigen Amtes sowie seinen persönlichen Werdegang berichtete. Eine Besonderheit, in der sich das AA, neben seinem Namen, von anderen Ministerien unterscheidet, ist zum Beispiel der Umstand, dass dort nicht nach jedem Regierungswechsel ein Großteil der Mitarbeiter ersetzt wird; in anderen Ministerien ist dies üblich, es stünde aber beim Auswärtigen Amt der nötigen Kontinuität der Außenpolitik im Wege und würde die Verlässlichkeit Deutschlands auf internationaler Ebene in Frage stellen.
Samstags bot sich dann noch einmal eine gute Gelegenheit für einen abschließenden Stadtbummel, den Besuch verschiedener Kaufhäuser oder Museen, beispielsweise des Deutschen Technikmuseums Berlin oder eines der Museen der Museumsinsel, bevor wir Berlin am späten Nachmittag per ICE wieder verlassen mussten. Alles in allem war die Berlinreise ein schönes Erlebnis, bei dem das Angenehme (Stadtbesichtigung, Nachtleben) mit dem Nützlichen (politische Bildung) verbunden werden konnte. Im Namen des gesamten Kurses danke ich Herrn Zimmerling für seinen Einsatz für die Berlinfahrt.
(Lucas Feicht, 13)
↑ nach oben | ←zurück

↑ nach oben | ←zurück












