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Von der Ballade zum Comic...

Neues aus der Comic–Werkstatt
Auch im Schuljahr 2009/10hatte wieder eine achte Klasse am FEG das Vergnügen, im Deutschunterricht über weite Strecken nicht nur von einem Lehrer, sondern von einem Lehrteam unterrichtet zu werden: Bei der Klasse handelt es sich um die 8b, bei dem Lehrteam um den Comic–Zeichner Stefan Dinter und die Deutsch–Lehrerin Sandra Laib, und mit Vergnügen ist die Freude darüber, Unterricht einmal anders zu gestalten und zu erleben, gemeint — nämlich als "Comic–Werkstatt".

Doch von vorn: Im Schuljahr 2006/07 nahm das Literaturhaus Stuttgart das Projekt Literatur im Dialog (später umbenannt in Unterricht im Dialog) in Angriff, eine auf fünf Jahre angelegte Kooperation mit insgesamt sieben Stuttgarter Schulen. Wie im Titel des Projekts schon angedeutet, handelt es sich um eine dialogische Form des Unterrichtens: Über das ganze Schuljahr hinweg soll der Deutschunterricht phasenweise von einem Tandem aus externem Fachmann (Schriftsteller, Journalist, Künstler, Zeichner, ...) und schulischer Lehrkraft erteilt werden – teils in der Schule, teils im Literaturhaus –, mit dem Ziel, einen veränderten Zugang zu den klassischen Themen des Deutschunterrichts zu ermöglichen. Das von der Robert–Bosch–Stiftung geförderte und von den Lehrerseminaren und dem Landesinstitut für Schulentwicklung begleitete Projekt hat mittlerweile viel Beachtung gefunden, einige Preise gewonnen und soll langfristig in der Lehrerfortbildung verankert werden. (Konzept, Struktur und Durchführung des Projekts sind übrigens in der Jahresschrift 2006/07 ausführlich beschrieben.)

Im vergangenen Schuljahr ging das Schreibwerkstätten–Projekt nun in die vierte und damit vorletzte Runde. Wiederum sollte das Medium Comic in vielfältiger Weise in den Unterricht integriert werden. Im Mittelpunkt der Arbeit stand aber auch in diesem Schuljahr eine literarische Gattung. Nachdem in den vergangenen Jahren zunächst das Drama Wilhelm Tell, dann verschiedene Kurzgeschichten und schließlich zwei Novellen in Comic–Form gebracht worden waren, beschäftigten sich die 30 Schüler der 8b nun ausgiebig mit der Ballade.

Die Ballade – unserer Meinung nach ein Genre, das ganz besonders gut zum Comic passt, vereint sie doch epische, lyrische und dramatische Merkmale in sich und überschreitet damit gewissermaßen die klassischen Gattungsgrenzen. Ähnlich im Comic: Text und Bild werden neu zusammengestellt, das eine steht im Dienst des anderen und umgekehrt, die Schranken zwischen Wort und Zeichnung verfließen. Übrigens ist dieser Zusammenhang schon im Bänkellied gegeben: diese volkstümliche Form der Ballade wurde auf Jahrmärkten mit Hilfe von Bildtafeln vorgetragen.

Es scheint also nur konsequent, den Inhalt von Balladen bildlich zu veranschaulichen – zumal, wenn man sich, wie wir im letzten Schuljahr, überwiegend mit modernen Balladen beschäftigt; Balladen, die sich dem fest umrissenen Balladenbegriff des 19. Jahrhunderts entziehen. (Und die im Übrigen in Klasse 7 ausführlich behandelt worden sind.) Wie schon das volkstümliche Bänkellied erzählen die modernen Popballaden oder die Balladen von Liedermachern wie Reinhard Mey, Franz Josef Degenhardt oder Wolf Biermann von alltäglichen Ereignissen und Personen, setzen sich mit politischen und sozialen Zuständen kritisch auseinander, enthalten Refrains, leben vom Vortrag. Und manchmal werden sie eben auch illustriert.

Aus zehn Balladen sind dreißig Comicadaptionen entstanden, die gesammelt in Buchform vorliegen.

(Sandra Laib)

> Beispiel einer Schülerarbeit
> Bericht von der Comicwerkstatt im Schuljahr 2006/07

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