Buchmesse Frankfurt 2007 – Comics machen Schule. Schulen machen Comics.
Auf Einladung von ‚arte’, dem deutsch-französischen Kultursender, stellten Stefan Dinter (Comiczeichner), Sandra Laib (Lehrerin), Natalie Weber und Deniz Dagtekin (Schüler der 9a) am 13. Oktober 2007 auf der Frankfurter Buchmesse Ergebnisse aus dem Projekt "Literatur im Dialog" (mittlerweile umbenannt in "Unterricht im Dialog") vor, das das Literaturhaus Stuttgart zusammen mit dem FEG und anderen Stuttgarter Schulen veranstaltet.Am Samstag, den 13.Oktober 2007 hieß es für uns und unsere französischen Austauschschüler (die zufälligerweise genau in der Woche bei uns waren) früh aufstehen, denn wir würden nach Frankfurt fahren, um dort auf der Buchmesse unser Comicprojekt vorzustellen. Um 7.50 Uhr standen wir am Hauptbahnhof und warteten auf unsere Lehrerin. Als auch sie endlich gekommen war, stiegen wir in den Zug nach Frankfurt ein und setzten uns auf unsere reservierten Plätze. Während der Fahrt besprachen wir dann, in welcher Rolle und vor allem wie wir den Comic vorlesen, denn bei unserem Auftritt am arte-Stand sollten wir zwei Szenen aus "Wilhelm Tell", gezeichnet von unseren Mitschülern Katrin Hartz und Anton Karasenko, präsentieren. Währenddessen mussten unsere Austauschschüler ein 700 Seiten dickes Buch für den Geschichtsunterricht lesen. Wir hatten wirklich Mitleid...
Als wir nach etwa einer Stunde in Frankfurt ankamen, blieb uns wenig Zeit, den riesigen Bahnhof zu bewundern und wir machten uns – zusammen mit vielen anderen – auf den Weg zur Buchmesse. Im Vorbeigehen staunten wir über die hohen Wolkenkratzer. Vor dem Messegebäude bekamen wir eine große Tasche in die Hände gedrückt, die sich schon vor dem eigentlichen Eingang mit Werbung, Flyern oder Zeitungen füllte, ohne dass wir es richtig bemerkten. Als wir endlich die Messe betraten, liefen eigenartig gekleidete Jugendliche an uns vorbei, wobei wir nach einiger Zeit merkten, dass dies kein Einzelfall gewesen war. Immer wieder kamen uns welche entgegen, immer in diesen komischen Kostümen. Herr Dinter, der Leiter unseres Comicprojekts, teilte uns später mit, dass diese Jugendlichen ihre Lieblingsmangahelden nachahmten und wir erkannten sogar ein paar wenige wieder.
Nachdem Frau Laib die Eintrittskarten besorgt hatte, betraten wir nun endlich unser Ziel, die Buchmesse. Wir schlugen uns durch die Menschenmenge und suchten den Weg zum Treffpunkt mit Herrn Dinter. Als wir uns gefunden hatten, gingen wir zuerst einmal etwas trinken, bevor er uns zu seinem Stand brachte. Da wir Herrn Dinter noch nie im Anzug gesehen hatten, war uns der Anblick anfangs noch etwas fremd, aber das legte sich schnell und wir verstanden uns alle noch besser als im vorherigen Schuljahr während des Projektes.
Herr Dinter führte uns durch die Halle, in der wir uns aufhielten, ging aber recht bald mit uns zum arte-Stand, wobei wir uns den Weg kaum merken konnten, da alles irgendwie gleich aussah. Als wir das orange geschriebene Wort ‚arte’ lasen, wurden wir noch nervöser. Wir wurden in eine Art Backstageraum gebracht, wo wir uns zusammen mit Herrn Dinter und Andreas Platthaus von der FAZ, der die Moderation übernehmen sollte, vorbereiteten. Wir lasen die Comics nochmals laut durch und Herr Platthaus erklärte uns, in welcher Art und Weise er uns interviewen würde. Noch eine kurze Pause, dann ging es los.
Nachdem wir unseren Austauschschülern die Kameras in die Hand gedrückt hatten, setzten wir uns auf die orangefarbenen Hocker, die sich auf einem leicht erhöhten Podest befanden, und bekamen – ebenfalls orangefarbene! – Mikros in die Hand gedrückt. Frau Laib war anfangs noch in der Technikkabine, um die einzelnen Panels des Comics auf einem Bildschirm zu präsentieren.
Obwohl unsere Franzosen uns viel Mut gemacht hatten, direkt vor unserer Nase saßen und uns dabei herzlich zuwinkten, schoss unser Puls in die Höhe. Herr Platthaus stellte uns vor, erzählte den Zuschauern ein bisschen über das Projekt und überließ uns dann das Wort. Wir lasen die Comicszenen vor, wie wir es geübt hatten, und wir machten erstaunlich wenig Fehler dabei – eigentlich gar keine. So war schon mal das erste Hindernis überwunden und der Herzschlag hatte sich normalisiert. Nun aber kam die eigentliche Fragephase. Herr Platthaus interviewte die "beiden" Lehrer und ab und zu stellte er uns Fragen (zum Unterricht, zu "Wilhelm Tell", zum Projekt im Allgemeinen). In der Aufregung wussten wir teilweise nicht, was wir sagen sollten, aber letzten Endes ging es doch sehr schnell vorüber und wir realisierten erst im Nachhinein, was wir gesagt hatten – und lachten uns darüber kaputt.
Jetzt hatten wir den schwierigsten Teil hinter uns und die Freizeit begann. Dennoch begleiteten wir zunächst Frau Laib zum Diogenesverlag, weil sie unbedingt ihre Freundin, die dort als Verlagsvertreterin arbeitet, besuchen wollte. Wir unterhielten uns mit ihr über ein paar Bücher und durften uns sogar einige aussuchen, was sehr großzügig war, denn auf der Buchmesse kann man sich Bücher zwar anschauen, bekommt aber normalerweise keine.
Aber nicht nur von Frau Laibs Freundin bekamen wir Bücher, auch Herr Dinter schenkte uns an seinem Comicverlagsstand Comics, die er selbst gezeichnet hat – worüber wir uns sehr freuten, da wir noch nie wirklich einen Comic von ihm gelesen hatten!
Leider blieb die Suche nach unserem Mitschüler Roman, der sich ebenfalls auf der Buchmesse befand, erfolglos. Wir suchten ihn eine Stunde lang, fanden ihn aber nicht in der Halle, die er uns genannt hatte. Es war überhaupt sehr schwer, sich in den großen und vielen Hallen der Messe zu orientieren, doch wir schafften es, an die Stände zu kommen, die uns interessierten – und Frau Laib hatte uns zum Glück genügend Zeit gegeben, um alles zu erkunden.
Wir waren sehr müde, als wir abends in den Zug nach Stuttgart stiegen, aber wir hatten einen schönen Tag hinter uns und wussten, dass dies eine neue, tolle Erfahrung für uns gewesen war.
Da die Veranstaltung als Audiofile aufgezeichnet wurde, kann man sie sich auch einfach anhören:
Link: http://www.arte.tv/
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