Sozialpraktikum 2010: Ein Erfahrungsbericht
In der ersten Woche direkt nach den Osterferien war es soweit: Selbstverständlich war ich aufgeregt, als ich an diesem Tag aufstand - wem aus meiner Klassenstufe ist es nicht so ergangen?An diesem Montag ging ich nicht zur Schule - zu der Zeit, zu der ich normalerweise gerade im Foyer auf den Vertretungsplan schaue, stand ich nun vor einem einstöckigen, unscheinbaren Gebäude.
Natürlich ist der Bodelschwinghkindergarten kein "normaler" Kindergarten; anstatt "nur" zu spielen, wird hier versucht, den entwicklungsverzögerten oder geistig behinderten Kindern durch spielerische Aktivitäten wie Singen, Basteln, Turnen und Kochen zu helfen, selbstständig(er) zu werden. Hier und mit diesen Kindern würde ich also eine Woche lang mein Praktikum ableisten.
Am Anfang mussten mich die Kinder heute erst einmal kennen lernen, jedes auf seine Weise. Am einfachsten machte es mir Laura, eine sehr dominante, vierjährige Persönlichkeit mit ADHS, die genau wusste, was sie wollte - und was nicht. Gemeinsam bauten wir eine Kugelbahn. Mit Bugra (sprich: Bura), einem epileptischen und durch Medikamente geistig verlangsamten Jungen, machte ich Pizza - obwohl er nicht sprach, verstand er jedes Wort; in einem Alter von fünf Jahren konnte er bereits lesen und war überdurchschnittlich intelligent.
Er war das erste Kind, das mich bei der Hand nahm und mir Spielsachen zeigte. In den folgenden Tagen gehörte ich nun immer mehr zum "Kindergarteninventar" dazu, wurde von den Kindern begrüßt und zum Schaukelanschubsen abkommandiert. Ebenso wie das Spielen gehörte aber natürlich auch das Zähneputzen und der Toilettengang zum Tagesablauf, den die Kinder mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung befolgten.
Am letzten Tag schließlich ließ sich Autist Hajrush ohne zu zögern von einem Spielturm hinunter - und direkt in meine Arme fallen (obwohl Autisten normalerweise unter Berührungsängsten leiden); Laura, Autistin Melissa und die entwicklungsverzögerte Manuela wollten immer noch mal und noch mal angeschubst werden, der (aus psychischen Gründen) stumme Maxi ließ sich gerne Geschichten vorlesen und sammelte mit mir Steine für eine "Burg".
Nie war Spielen für mich so anstrengend als in dieser Woche, gleichzeitig hat es aber auch Spaß gemacht; ich habe diese Kinder lieb gewonnen und werde sie vermissen - und hoffen, dass sie eine gute Zukunft haben werden. Ich habe viel von ihnen gelernt. (Andrea Dennig, 11b)
Bericht vom Schuljahr 2010/11: > Voll durchstarten
Bericht vom Schuljahr 2008/09: > Vom Umgang mit Schizophrenie
Bericht vom Schuljahr 2007/08: > Sozialpraktikum
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