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Die Tage in Berlin waren lang, die Nächte noch länger!

"Streuverluste müssen hingenommen werden", pflegte Herr Baeuerle immer zu sagen. Bezogen war der Satz auf die vielbefahrenen Straßen Berlins und die rar verteilten Fußgängerampeln, so dass wir immer gezwungen waren ihm über die Straßen hinterherzurennen. Hinterherrennen? Da kommen Erinnerungen hoch. Denn müde, wie wir immer waren (die Gründe können wir uns selber nicht ganz erklären) mussten wir uns echt beeilen, um Herrn Baeuerle und Frau Wittemer überhaupt einzuholen.
Jeder Tag brachte viele kulturelle Ereignisse mit sich, weshalb wir ständig gehen, laufen, fahren oder uns sonst irgendwie fortbewegen mussten. Nach einer Anreise von ca. sechs Stunden ließen wir zunächst einmal den ersten Tag ruhig angehen und verbrachten den Abend am Alexanderplatz.
Am darauf folgenden Tag hatten unsere Lehrer ein Stadtspiel für uns vorgesehen. Vom Rathaus bis hin zur Museumsinsel, weiter zum Europacenter und wieder zurück in den Osten, sie schickten uns quer durch die Stadt. Uns bot dieses Spiel die Möglichkeit viele Eindrücke von der Kultur Berlins zu gewinnen. Auf der Oranienburgerstraße führte uns unser Weg zur neuen Synagoge, wo es von da aus "nur einige Meter weiter" zu einem "schrillen Kulturzentrum" gehen sollte. Die "einigen Meter" entpuppten sich als ein 20-Minuten-Fußweg zu einem wirklich schrillen Gebäude, das eher nach einem heruntergekommenen Haus, als nach einem Kulturzentrum aussah.
Nach dem Stadtspiel besuchten wir das Deutsche Historische Museum, wo wir eine Führung durch die Ost/West-Ausstellung bekamen. Am Abend gingen einige von uns zur Michael Jackson Trauerfeier in der O2-World-Arena. Dort war die Atmosphäre wirklich überwältigend und wir feierten mit Tausenden anderen Fans die Lieder des verstorbenen Poptitans. Am Mittwoch ging’s dann auf die Museumsinsel. Wir durften uns aussuchen, ob wir ins Bode-Museum, zur alten Nationalgalerie, zum neuen oder alten Museum oder ins Pergamonmuseum gehen wollten. Was auch interessant war, war, dass Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Büro gleich neben dem Pergamonmuseum hatte. Leider war sie zu dem Zeitpunkt schon im Sommerurlaub, sonst hätte sie uns sicherlich auf einen Tee eingeladen.
Am Mittwochabend gingen wir alle zusammen ins Deutsche Theater, wo uns Faust I mit hervorragendem schauspielerischem Talent geboten wurde. Nach der Inszenierung verbrachten einige von uns zusammen mit Herrn Baeuerle und Frau Wittemer den Abend auf der Oranienburgerstraße. Am Donnerstag bekamen wir eine Führung durch das Stasi-Gefängnis. Unser Führer durch das ehemalige Gefängnis war selber mal ein Insasse gewesen, was man ihm anmerkte. Die Erlebnisse vom Stasi-Gefängnis beeindruckten uns sehr und wir empfanden einen großen Respekt vor den Geschehnissen in diesem Gebäude. Wir nutzten diese Gelegenheit, um uns ins Kondolenzbuch einzutragen.
Freitag mussten wir auch schon Koffer packen, denn es ging wieder zurück nach Stuttgart. Im Zug waren wir alle müde und sehnten uns nach Schlaf. Mit unseren Hostel Singer 109 hatten wir großes Glück gehabt. Die Zimmer waren sauber, das Personal äußerst freundlich, der Eingang 24 Stunden lang offen und es hatte eine zentrale Lage. Die freie Zeit nutzten wir, um zu shoppen, zu essen oder selber noch einige Sehenswürdigkeiten anzusehen. Es waren die geschichtlichen Hintergründe, die wir sammelten, sei es im Bundestag, im Ministerium für Arbeit oder am Holocaust Mahnmal, die uns Berlin in guter Erinnerung behalten lassen. Streuverluste gab es übrigens keine und wir beherzigten Herrn Baeuerles Mahnung: "Bei einer Gruppe von 34 Schülern würde es nicht so auffallen, wenn ich einige hier vergessen würde. Streuverluste müssen hingenommen werden. Aber bei euch zehn Leuten würde es gleich auffallen, also werft ein Auge auf die Leute neben oder hinter euch."

(Sharona Sargizi, 12)

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