Hagia Sophia und die beste Shischa der Welt - Studienfahrt nach Istanbul
Kurz vor Ende des Schuljahres kam die Zeit der Studienfahrten. Zur Auswahl gehörten Kopenhagen, Prag und Istanbul. Diejenigen, die sich für Istanbul entschieden hatten, wussten nicht, was auf sie zu kommen würde. Nur die begleitenden Lehrer waren bereits bei der letzten Studienfahrt dort gewesen.Am Tag des Fluges traf ich mich mit ein paar anderen, um gemeinsam mit der S-Bahn zum Flughafen Stuttgart zu fahren. Die Stimmung war erwartungsvoll und gespannt. Am Flughafen trafen wir uns mit dem Rest der Gruppe. Nachdem die Koffer abgegeben und die Flugkarten ausgeteilt waren, gingen wir gemeinsam in einen Wartebereich. Nach einem kurzen Einkauf im Duty-Free-Shop, konnten wir bereits einchecken. Wir wurden mit Bussen über das Rollfeld gefahren und gingen an Bord der Maschine. Während der drei Stunden Flugzeit wurde großteils Musik gehört und geschlafen. Der Flug war, unserer Meinung nach, einer der großen Vorteile unserer Studienfahrt. Es ist sehr angenehm drei Stunden im Flugzeug zu sitzen und danach bereits am Ziel zu sein, während andere einen Tag früher mit der Bahn losfahren mussten, um zur selben Zeit in Kopenhagen an zu kommen, wie wir in Istanbul.
Als wir aus dem Flugzeug stiegen, begrüßte uns die heiße, türkische Sonne in einem strahlend blauen Himmel. Es folgte eine kurze Busfahrt im Shuttlebus vom Flughafen direkt vors Hotel. Dort ging es erst einmal auf die Zimmer, von Müdigkeit durch die Reise war nichts zu merken. Und schon ging es los zur ersten Erkundungstour mit der gesamten Gruppe durch die fremde Stadt. Die Eindrücke der fremden Kultur waren überwältigend: Wunderschöne, alte Bauwerke prägen das Stadtbild, Bauwerke wie man sie aus der deutschen Kultur in keiner Weise kennt.Überraschend war für uns auch das Verhalten der Kellner aus den umliegenden Restaurants und Cafes, die uns mit besonderen Angeboten zu locken versuchten. Wenn man diese schon für aufdringlich hielt, wurde man bald überrascht: Wir gingen über einen kleinen Teil des Ägyptischen Basars von Istanbul. Alles, was nach Tourist aussah, wurde sofort angehalten. Es wurden uns Waren von Kleidung, über Schmuck, bis hin zu Gewürzen angeboten. Der Geruch der Gewürze auf dem Basar war überwältigend, so als ob man in Deutschland, im Kaufhaus, durch die Parfümabteilung läuft, nur dass Gewürze besser riechen. Bei aller Aufdringlichkeit blieben die Händler doch immer freundlich. Bis auf jene, die aus irgendwelchen Plastiktüten Parfüms von Boss und Co anboten. Wenn man versuchte sie los zu werden, konnte es gut sein, dass man ein paar türkische Beleidigungen hinterher gebrüllt bekam. Komisch, vorher konnten sie noch Englisch reden. Zum Abschluss des Tages gingen noch ein paar Schüler mit Herrn Willking und Frau Maurer etwas essen.
In den sechs Tagen der Studienfahrt hatten wir natürlich ein großes Programm. Darin enthalten waren einige Besichtigungen, sowie Ausflüge mit der Fähre über den Bosporus und das Marmarameer. Viele Schüler sind ja nicht unbedingt die größten Fans von Besichtigungen in alten Bauwerken, doch hier war das etwas anderes. Selbst der größte Museumsmuffel konnte nicht anders als von der Architektur und der Schönheit der Bauwerke begeistert zu werden. Wie schon erwähnt unterscheidet sich die Architektur in dieser Stadt vollkommen von allem, was man von zu Hause so kennt. Die Blaue Moschee, die Hagia Sophia und der Topkapi Palast waren wohl die eindrucksvollsten Bauwerke, die es zu besichtigen galt. Die Bauweise der Moscheen zeigt eine große Kuppel und mehrere Minarette, dünne Türme, die das Hauptgebäude mit der Kuppel umgeben. Von innen war die blaue Moschee genauso eindrucksvoll wie von außen.
Die Hagia Sophia, früher die, neben der Peterskirche in Rom, berühmteste christliche Kirche der Welt, war, für mich persönlich, das beeindruckendste Bauwerk überhaupt. Die im Jahr 537 erbaute Kirche ist ein Wunderwerk der damaligen Baukunst. Mit ihrer Zentralkuppel mit einem Durchmesser von 32,5 Metern und einer Höhe von 55,6 Metern ließ sie uns rätseln, wie die Menschen es mit der damaligen Technik geschafft hatten, solch ein Bauwerk zu errichten. Später war diese Kirche zu einer Moschee umgebaut worden und ist heutzutage ein Museum. Man findet hier die verschiedenen Baustile von mehr als 1000 Jahren, da das Bauwerk im Laufe der Zeit immer wieder erneuert oder verändert wurde.
Am letzten Tag vor dem Heimflug besuchten wir auch den Topkapi Palast, der ein Areal von 700.000 m² umfasst. Hier hatte damals der Sultan mit seinem Hof gelebt. Beinahe jeder Sultan hatte etwas zum Palast hinzufügen lassen, um sich selbst in diesem Haus der Herrscher zu verewigen. Neben dem Harem, den Bereichen für Eunuchen und diversen Audienzzimmern, sahen wir hier auch einige Schätze der islamischen Welt, darunter einige Gegenstände des Propheten Mohammed, eines der ältesten Koranexemplare überhaupt und einige von Juwelen besetze Schätze der weltlichen Abteilung, z. B. ein Thron eines Sultans aus dem 18. Jahrhundert.Doch neben den Sehenswürdigkeiten genossen wir vor allem das Leben in der Stadt, das sich nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser abspielt. Denn die vielen Fähren, die auf dem Bosporus verkehren, sind wohl wie Busse zu betrachten, die täglich Menschen von einem Teil Istanbuls zum anderen und in umliegende Ortschaften transportieren. Auf dem Schiff konnten wir uns von dem vielen Laufen erholen und die Sicht vom Wasser aus auf die Stadt genießen. Auf dem Schiff gibt es einige Kellner, die den Fahrgästen Tee und andere Erfrischungen zu sehr günstigen Preisen anbieten. Eine unserer Fahrten mit der Fähre in einen kleineren Ort am Bosporus ist den Schülern besonders im Gedächtnis geblieben, da die Rückfahrt mit dem Bus gemacht wurde. So kamen wir auch in den Genuss in einem typischen, überfüllten Fahrzeug zu stehen und damit zu erfahren, wie die normalen Einwohner, der Region, die Wege nach Istanbul zurücklegen. Eine andere Fahrt mit der Fähre ging auf eine der Inseln vor der Stadt. Dort gab es statt Autos Pferdekutschen, die die Besucher der Insel von einem Ort zum anderen brachten, ein Erlebnis für sich.
Die Versorgung mit Essen und Trinken war ebenfalls sehr einfach, da es an jeder Ecke in Istanbul Straßenhändler gibt, die gekühltes Wasser, Backwaren oder Maiskolben vom Grill anbieten. Das Shoppen kam auf dieser Studienfahrt natürlich auch nicht zu kurz. Bei den Besuchen auf dem Ägyptischen und dem Großen Basar wurde ordentlich eingekauft. Hier bekommt man einen tiefen Einblick in die Mentalität der Menschen. Das Geschäft mit den Händler basiert wirklich auf dem Prinzip des Handelns. Wer wirklich das ausgibt, was der Händler am Anfang für seine Waren haben will, sollte das mit dem Shoppen wohl besser lassen. Auch auf dem Basar gab es viele Menschen, die den Händlern und den Touristen Tee in den Laden brachten, wenn die Verhandlungen etwas länger dauerten.
Der Abend endete meist in einem Café, wo Tee getrunken und Wasserpfeife geraucht wurde. Diese waren schön eingerichtet, meist mit nur leicht erhöhten Sitzgelegenheiten auf dem Boden, mit einem Teppich ausgekleidet und von Kissen umgeben. Da wir gerade in der Zeit der Fußball-WM in Istanbul waren, bestimmte auch der Sport unsere Abende. Zuvor hatte sich der Großteil der Gruppe mit Trikots von Mesut Özil ausgerüstet. Auf der Straße wurde man von beinahe jedem, auch von Leuten, die nicht unbedingt Händler waren, auf Mesut Özil angesprochen. Man konnte zwar nicht viel miteinander reden, da wir keinen türkischsprachigen Schüler unter uns hatten, aber irgendwie konnte man sich immer darauf einigen, dass Özil wohl der beste Spieler der WM sei. Dies ist für mich auch einer der großen Unterschiede zu Deutschland. Hierzulande wird man von niemanden einfach nur so auf ein Fußballtrikot angesprochen. Die Menschen in der Türkei sind wirklich unglaublich gastfreundlich.
Abschließend kann man wirklich nur sagen: Wer Lust hat eine andere Kultur kennen zu lernen, auf sehr freundliche Menschen zu treffen und sich von den Wundern einer völlig fremdartigen Stadt begeistern zu lassen, der sollte sich Istanbul einmal anschauen. Außerdem wartet hier die, für mich, beste Shisha der Welt auf einen.
Damit wünsche ich allen viel Spaß auf ihrer eigenen Studienfahrt, oder den Leuten, deren Interesse an dieser Stadt geweckt wurde, viel Spaß auf ihrer eigenen Erkundungstour durch Istanbul.
(Matthias Knorr, 12)
> Bericht von der Studienfahrt 2009
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