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Ha det godt - Studienfahrt nach Kopenhagen

"København makes me feel so good!" So hieß es in einem Lied, das von uns schon vor Beginn unserer Reise im Internet auf Youtube gefunden wurde. Die meisten von uns hatten im Vorfeld sowieso fast ausschließlich Positives über die Hauptstadt Dänemarks gehört, lediglich das anscheinend überteuerte Essen in Kopenhagen bereitete uns Kopfzerbrechen, wenn es um die Frage ging, wie viel Geld man denn mitnehmen sollte. Das Geld war überhaupt so ein Thema, ob vor Reiseantritt oder während unseres kompletten Aufenthalts. Mit Dänischen Kronen sollten wir dort bezahlen, und so kam es in den letzten Tagen vor unserer Abfahrt nicht selten vor, dass so mancher schlichtweg vergessen hatte zur Bank zu gehen um ein paar Euros in Kronen wechseln zu lassen.
So trafen wir uns am Sonntagabend mit spielgeldartigem Geld in den Portmonnaies und teils mehr, teils weniger Gepäck am Stuttgarter Hauptbahnhof, wo unsere Reise, die wir unter der Leitung von Frau Haller und Herrn Pischel antraten, mit einer kurzen Zugfahrt nach Mannheim beginnen sollte. Dort angekommen wartete schon der City Night Line auf uns, der uns in gut 12 Stunden nach Kopenhagen bringen sollte. Beim Öffnen der Türen der einzelnen Schlafabteils blieb nicht wenigen von uns kurz der Mund offen stehen, denn was wir da sahen, lud nicht gerade zu zwölfstündigem Verweilen ein. Ein kleines, zellenartiges Abteil, geschätzt 1,5m x 1,8m groß. Das wären nicht einmal 3m² für sechs Personen. Rechts drei Betten übereinander, links drei Betten übereinander. Dazwischen ein äußerst schmaler Gang, ein Fenster, eine größere und sechs kleinere Lampen, dazu ein Rauchmelder (über den hier nicht weiter berichtet werden soll) und eine abschließbare Türe. Doch wir alle machten das beste daraus, teilweise waren auch mal zehn oder mehr Menschen in einem Abteil, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass man auf einem Bett nicht einmal richtig aufrecht sitzen konnte. Die Lichter in den Abteils gingen bei manchen früher, bei manchen später aus, in manchen blieben sie sogar bis morgens um 4 Uhr an (ab da wurden sie nämlich nicht mehr gebraucht, denn da wurde es draußen schon hell).
Ziemlich erschöpft kamen wir dann endlich morgens in Kopenhagen am Hauptbahnhof an. Überrascht, wie heiß es doch dort war, fuhren wir zunächst zur Jugendherberge. Nach einer kurzen Verweilpause dort ging es per Metro in die Stadt, um ab dem Nyhavn (Neuer Hafen) eine Stadtrundfahrt im Boot zu machen. Bei wunderschönem Wetter schipperten wir also durch ganz Kopenhagen, vorbei am Opernhaus, dem Schauspielhaus und noch vielem mehr. Während das Boot über das Wasser glitt, glitten jedoch immer mehr von uns ins Reich der Träume hinüber und wurden von den wenigen, die die Augen nach der anstrengenden Nacht noch offen halten konnten, erst wieder geweckt, als wir den Nyhavn wieder erreichten. Anschließend machten wir uns alle auf die Suche nach etwas Essbarem, was bezahlbar sein sollte. Nachdem die Mission Günstig-aber-gut-und-viel-essen abgeschlossen war, trafen wir uns alle wieder, um den Kopenhagener Tivoli, einen großen Freizeitpark mitten in der Stadt, zu besuchen. Doch gerade als wir am Eingang standen, fing es an zu regnen, und so entschlossen sich die meisten, zurück zur Jugendherberge zu fahren. Dort stellte sich jetzt die Frage: was nun tun? Wir beschlossen, ein wenig das Gelände zu erkunden und fanden ein Stückchen entfernt einen Berg, den wir spontan "Mountain Club" oder auch "The Hill" nannten. Ausgestattet mit dicken Pullis und guter Musik verbrachten wir also diesen Abend, wie auch noch den ein oder anderen, mit gemütlichem Zusammensitzen.
Am Dienstag hieß es ab zu den Wikingern. Wir fuhren nach einem reichlichen Frühstück nach Roskilde, um dort das Wikingerschiffsmuseum zu besuchen. Nach einem informativen Film über die Wikinger, den jedoch wieder einige nur mit geschlossenen Augen mitbekommen durften, erkundeten wir das Museum und fanden unser Highlight ziemlich am Schluss der Ausstellung, wo wir uns und auch Frau Haller und Herrn Pischel mit traditioneller Wikingerkleidung einkleiden durften. Anschließend besuchten wir den Dom von Roskilde, welcher zum Weltkulturerbe gehört. Beeindruckt von den Grabkammern der königlichen Familie wurden wir noch Zuhörer eines australischen Schulchors, welchem wir ein paar Minuten lauschten. Zurück in der Jugendherberge stellte sich erneut die Frage der Abendgestaltung, nach kurzem Überlegen stand fest, dass es in die Stadt gehen sollte. Aufgrund der Tatsache, dass einige von uns unter 18 waren, gestaltete sich das anfänglich etwas schwierig, bis wir eine hübsche Eckkneipe fanden, wo wir unseren Lieblings-Dänemark-Barkeeper Chris kennenlernen durften, welchem wir jedoch erstmal erklären mussten, wie man einen Caipirinha mischt (zur Entschuldigung: es war sein erster Arbeitstag dort!). Am Ende eines schönen Abends lernten wir von ihm noch "Haedagod" (oder so ähnlich) sagen und so machten wir uns auf den Heimweg.
Am folgenden Tag stand vormittags ein ausführlicher Spaziergang von der Hafeneinfahrt bis zum Nyhavn auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein (und keinem Sonnenschutz...) ging es vorbei an der derzeit nicht vorhandenen Kleinen Meerjungfrau, welche sich auf der Expo in Shanghai befand, zum Schloss Amalienborg, dem Wohnhaus der königlichen Familie, wo wir die Wachablösung miterleben durften. Weiter brachte uns der Spaziergang in die wunderschöne Marmorkirche und vorbei am Schauspielspielhaus bis hin zum Nyhavn. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns nachmittags auf in Richtung der Freistadt Christiania, welche sich mitten in Kopenhagen befindet. Schon der Eingang erinnerte manchen von uns an ein "Wunderland" und wir wurden im Inneren nicht enttäuscht: das war nicht mehr die Großstadt Kopenhagen, sondern eine Art Hippiedorf mit Hütten am Rand des sandigen Weges. Nach einem ausführlichen Spaziergang, einem kurzen Verweilen am großen See mitten in der Freistadt oder einem kleinen Bummel auf dem Markt dort trafen wir uns wieder am Ausgang des Geländes, wo schon Bilal mit seinem liebgewonnenen Fahrrad und das Schild mit der Aufschrift "You are now entering the EU" warteten. Zurück in der Jugendherberge schmissen wir uns in unsere Deutschland-Outfits, denn an diesem Abend sollte ja schließlich das Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Spanien stattfinden. So machten wir uns auf den Weg zum Hafen, wo "Danmarks største Fodboldfest" auf uns wartete. Unsere Euphorie schwand jedoch immer mehr, je weiter das Spiel fortschritt. Nachdem zwei von uns in der Halbzeitpause mit dem dänischen Fernsehen kurz Bekanntschaft gemacht hatten und noch jubelnd die Deutschlandflagge ins Bild gehalten hatten, gab es nach der zweiten Halbzeit für uns leider nichts zu feiern und auch Lisa konnte sich irgendwie nicht so wirklich über den 1:0-Sieg der Spanier freuen. Ein wenig traurig und von der Sonne ziemlich gerötet ging es zurück zur Jugendherberge, wo wir müde in unsere Betten fielen.
Der Donnerstag brachte die scheinbar unendliche Fahrt zum Schloss Frederiksborg mit sich, welche uns aber gar nicht so ungelegen kam, weil es doch eine willkommene Schlafmöglichkeit war. Am Bahnhof dort angekommen stand noch eine kleine Wanderung bis zum Schloss an, wo wir dann Zeit hatten, uns das riesige Gebäude, die eingebaute Kirche und die historische Compeniusorgel anzusehen bzw. -hören. So nutzte jeder von uns die Zeit in seinen Augen sinnvoll, manche beim Rundgang durch das Schloss, manche auf der Wiese davor bei einem Nickerchen in der Sonne. Nach einem reichhaltigen Mittagessen in Form eines Döners ging es weiter nach Humlebæk zum Museum Lousiana. Zunächst weniger angetan von der überdurchschnittlich langen Aufenthaltszeit dort waren die meisten von uns jedoch nach kurzer Zeit begeistert von diesem Museum, welches neben teilweise komischen Skulpturen auch Werke von Andy Warhol, Louise Bourgeois (welche natürlich alle fotografiert werden mussten, um sie den Kunstlehrern vorlegen zu können) und vielen modernen Künstlern enthielt. So wurde am Ende um eine Verlängerung des Besuchs dort gebeten. Abends hieß es wieder "Ab auf den Berg!", wo wir an unserem letzten Abend in Kopenhagen ein schönes Lagerfeuer gemacht haben und ein paar schöne Stunden verbracht haben, nachdem unsere Ausgehgenehmigung bis auf 1 Uhr verlängert wurde.
Der Freitag begann für uns alle mit dem lästigen Kofferpacken. Nach dem Frühstück fuhren wir so alle zum Hauptbahnhof, um dort unser Gepäck zu deponieren, schließlich hatten wir noch den ganzen Tag Zeit in Kopenhagen. Nach einem kurzen Besuch im Design Center hieß es sehr zur Freude nicht nur der Mädchen: Freizeit bis 18 Uhr! Geschickt war natürlich, dass das Design Center direkt am einen Ende der (anscheinend) größten Einkaufsmeile Europas, der Strøget, lag und so stürzten sich die meisten von uns ins Shoppingvergnügen. Erschreckten uns noch die Preise des Essens, waren wir nun erfreut über die günstigen Klamottenläden, die erfreulicherweise auch noch um 50-70% reduziert hatten. Mit vollen Tüten und dem ein oder anderen "I ♥ CBH"-Pulli (wobei hier die Abkürzung mal CPH, mal CBH oder auch KBH bzw. KPH lautete) in der Tasche oder am besten gleich angezogen, trafen wir uns gegen Abend am Kopenhagener Hauptbahnhof, holten unsere Koffer wieder ab und warteten auf unseren Zug, der uns wieder in die Heimat bringen sollte. Kurz nach Bezug der "Zimmer" stellten wir fest: das war exakt der gleiche Wagen, wie auf der Hinfahrt, manche fanden sich ganz zufällig sogar im gleichen Abteil wieder. Schon bevor der Zug aus dem Bahnhof ausrollte, bemerkten wir jedoch, dass es nun um einiges heißer in den Waggons war, als noch auf der Hinfahrt. Als uns dann auch noch die Hiobsbotschaft erreichte, dass momentan weder Licht, noch Wasser, noch Klimaanlage funktionierten, war die Frustration groß, denn die Hitze staute sich in den Abteils, was natürlich nicht besser wurde, als wir eine geschätzte Ewigkeit mitten auf der Strecke unter der brennenden Sonne stehen blieben. So hieß es, dass wir gegen 23.30 Uhr in Hamburg in einen anderen Zug umsteigen sollten, doch trotz der Befürchtung, quasi für uns mitten in der Nacht noch mal aufstehen zu müssen, legten sich doch die meisten schon sehr früh in ihre Betten und schliefen auch ziemlich rasch ein. Der befürchtete Fall trat nicht ein und so mussten wir mitten in der Nacht dann doch die Decken rausholen, denn nun konnte man die Klimaanlage nicht mehr ausmachen...
Erschöpft, aber auch glücklich und froh, sich für die Studienfahrt nach Kopenhagen entschieden zu haben, kamen wir am Samstagmorgen nach über 14-stündiger Fahrt am Stuttgarter Hauptbahnhof an, von wo es für alle sofort nach Hause ins eigene Bett ging.
Wir sagen "Tak, tak, tak!" an Frau Haller und Herrn Pischel für die wunderschöne Reise, die wir - glaube ich - alle nicht so schnell vergessen werden und "Ha det godt" an Kopenhagen, auf dass es den ein oder anderen von uns vielleicht noch mal dorthin verschlägt.

(Julia Singer, 13)

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