Benvenuti a Roma: Erlebnisse aus dem Alltag der Romfahrer
Tag 1: Römischer SpießrutenlaufSonntagabend gegen 17 Uhr 30 begann ein aufregender und ziemlich heißer Trip auf den Spuren der alten Römer.
Nobel wie wir waren, nahmen wir natürlich nichts Geringeres als den ICE, der uns von Stuttgart nach München bringen sollte. Doch was müssen wir sehen? Schüler/innen vom Königin-Katharina-Stift sitzen bereits auf unseren reservierten Plätzen und lassen es sich gut gehen. Nach einem kurzen verbalen Austausch gelang es schließlich, die uns zustehenden Plätze zurückzuerobern und es uns bequem zu machen. In München steigen wir in einen Liegewagen der "City Night Line" nach Rom um. Vor lauter Euphorie betritt unser sehr verehrter Relilehrer und Reiseleiter Herr Elser den ersten Wagon, um unser Quartier zu sichten. Doch was ist denn das? Da liegt ja schon wer! Also schnell wieder raus, das war wohl der falsche Wagon! Fahrkartenlesen ist halt doch schwieriger als es scheinen mag....
Mit einer Stunde Verspätung kamen wir anderntags gegen 10 Uhr in Rom an. Da wir unser Hotel direkt am Bahnhof jedoch erst gegen 13 Uhr beziehen konnten, haben wir dort nur die Koffer abgestellt und machten erst einmal einen "Spaziergang" durch die Urbs. So wie unsere hochgeschätzten Lehrer das Tempo vorgaben, war das jedoch alles andere als gemütlich. Vom Bahnhof über die Piazza della Republica, den Tritonsbrunnen von Bernini, die Fontana di Trevi bis hin zur Spanischen Treppe haben wir alles "aufgesaugt" und fotografiert, dann erst konnten wir unseren müden Gliedern endlich eine Pause gönnen.... Später am Nachmittag bestaunten wir in der Santa Maria del Popolo, an der gleichnamigen Piazza, Caravaggios "Kreuzigung des Petrus" und "Bekehrung des Paulus" aus den Jahren 1600 bis 1602. Dann ging es durch die Via Ripietta zum Mausoleum des Augustus und zu der Ara Pacis. In südlicher Richtung am Fluss entlang, vorbei am Ponte Cavour und am Ponte Umberto I. konnten wir auf der anderen Seite des Tiber schon die Engelsburg und den Petersdom erkennen. – Nanu, sind wir noch vollzählig? – Piazza Navona, Pantheon (ob es da wohl reinregnet?) und Berninis kleiner Elefant vor der Santa Maria sopra Minerva standen am Schluss unserer ersten Sightseeingtour durch die ewige Stadt.
Tag 2: Von Gruften und Kopfsteinpflastern: Antikes Rom mit Kolosseum und Forum Romanum.
Just an der Metro Haltestelle fiel einem Schüler plötzlich ein, dass ihm jetzt schlecht wird. Nach 4 verpassten Bahnen wurde der Unglückliche letztlich ins Hotel begleitet, um sich zu erholen.
Im Kolosseum schwärmte Lehrerin und Expertin Hill von den Wasserschlachten in der Arena. Laura, unsere Führerin, erklärte uns neben viel Wissenswertem, dass zur Eröffnung des Kolosseums im Jahre 80 n. Chr. die Arena tatsächlich geflutet wurde, um eben eine solche Seeschlacht nachzustellen....
Am Nachmittag ging es mit dem Bus durch die Via Appia in Richtung Katakomben. Man braucht wohl nicht zu erwähnen, dass italienische Busfahrer selbst auf Kopfsteinpflaster fahren, als wären sie auf der Flucht, und wir dabei doch ein kleines Schleudertrauma davontrugen....
Tag 3: Die Eintrittskarte zum Ausgang Busfahrt Richtung Vatikan zur Papstaudienz.
Dort nahmen wir die charakterbildende Übung in Demut und Geduld des stundenlangen Anstehens rund um Sankt Peter auf uns. Alle brannten drauf, das Oberhaupt der katholischen Welt live und in Farbe zu sehen, was einem Teil am Ende trotzdem verwehrt bleiben sollte. Die Pilger wurden ungeduldig und drängelten, dass es schon fast an Nötigung grenzte: da eine Hand am Hinterteil, dort ein Ellbogen in der Seite und hier ein Magen am Ellbogen. Nach ca. zwei Stunden gelang es aber auch endlich den letzten, sich einen Weg durch die 3 Sicherheitskontrollen zu erkämpfen. Endlich drin! Jetzt nur noch zur Audienzhalle rüber! Doch halt! Ein junger Mann im bunten Kostüm versperrt uns den Weg zum Papst. Er gehört zur Schweizer Garde und versucht uns gerade klar zu machen, dass die Halle voll ist und wir nicht mehr rein können. Da half weder Heulen noch Zähneknirschen, auch Frau Hill konnte machen, was sie wollte, alles uninteressant, er ließ sich nicht erweichen und so mussten wir letztlich auf dem Petersplatz sitzend die Audienz über eine Großbildleinwand verfolgen. Trotz der Enttäuschung ließen wir es uns aber nicht nehmen, lautstark zu jubeln, als unsere Gruppe vom vatikanischen Sprecher in der Audienzhalle in aller Form begrüßt wurde: "... Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Eugens-Gymnasiums aus Stuttgart."
Es bleibt noch zu erwähnen, dass man vom Papst selbst auf dem Petersplatz mehr mitbekommen hat als in der Halle, wo er weniger einem Oberhaupt als einem Legomännle glich.
Den Tag ließen wir mit den Vatikanischen Museen, der Sixtina, Pausemachen und die ganz Hartgesottenen mit Santa Maria Maggiore und San Pietro in Vincoli, das ist die, in der Moses die Hörner trägt, ausklingen.
Tag 4: Von wandelnden Kleiderständern und sandigen Hinter
"Piramide" und evangelischer Friedhof, auf dem tatsächlich "Goethes Sohn" (so steht’s auf dem Grabstein), begraben ist, ein altes Elektrizitätswerk und antike Statuen und, beeindruckend, San Paolo fuori le Mura mit der großen Galerie aller bisher amtierenden Päpste. Vor der Kirche gaben Taylan und Menderez in der Nähe eines fliegenden Händlers dann ihren Vortrag über die beiden legendären römischen Fußballclubs, Lazio und AS Rom, zum Besten...
Mit einer Art Regionalbahn ging es nun weiter aufs Land hinaus. Die Temperatur in diesem Zug war weit über dem Erträglichen und wir hatten Mühe mit unserer Kondition... Nach Ostia Antica noch eben mal ans Mittelmeer rüber fahren? Was für eine Frage! Wir besorgten uns die zuhause vergessenen Badehosen und sind schwimmen gegangen....
An diesem Abend der kulinarische Höhepunkt! Nach der Pasta gab es die verschiedensten Antipasti: Zucchini, Auberginen, gebraten, gedünstet oder in Öl eingelegt, getrocknete Tomaten, Pilze, Fagioli all’uccelletto, Oliven, Bruschette, und, und, und. Ein Festmahl!
Tag 5: Venimus, vidimus, victi sumus
Die Zimmer mussten bis 9 Uhr geräumt sein. Wer frühstücken wollte, musste das auch bis dahin erledigt haben. Die Villa Borghese stand auf dem Plan. Dort machte Apoll Jagd auf Daphne, die zu einem Lorbeerbaum werden musste, um dem Stalker zu entkommen. Aber auch jede Menge Caravaggios, das ist der Maler der "schmutzigen Füße", sind dort zu bestaunen. Nicht alle hatten diesen Kunstgenuss und zogen ein Schläfchen im Park der Villa vor, während Herr Elser, Frau Hill und eine Hand voll Schülerinnen und Schüler jede einzelne Falte der Kunstwerke im Haus der Borgheses begutachteten...
Die ganze Nacht wollten wir zum Schluss durchfeiern. Um 11 fielen wir in einen tiefen, tiefen Schlaf...
Kurz vor Ende unserer ereignisreichen Reise, die nicht selten Improvisationstalent verlangte, verabschiedete sich Herr Elser persönlich von jedem einzelnen Schüler, während Frau Hill eine allgemeine Danksagung und Verabschiedung wählte. Gegen 10 Uhr fuhren wir in Stuttgart ein und eine unvergessliche Reise nach Rom kam zu ihrem Ende....
(Sascha Mick, 12 und Josef Elser)
> Bericht von der Studienfahrt 2011
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