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Frühlings Erwachen im Schuljahr 2010/11

Moritz kann dem Leistungsdruck nicht standhalten und droht daran zugrunde zu gehen. Wendla wird vom gleichaltrigen Melchior geschwängert. Man könnte meinen, diese Szenen schon von irgendwoher zu kennen – wahrscheinlich aus der Tageszeitung oder aus den Abendnachrichten – jedenfalls sind es Szenen, die in unserer heutigen Gesellschaft doch fast schon zum traurigen Alltag gehören.

Ausnahmsweise aber liefern diese Ereignisse keine Schlagzeilen für die leider nur allzu bekannte Zeitung mit den vier großen Buchstaben auf der Titelseite, sondern sie stammen aus dem 1891 erstmals veröffentlichten Theaterstück "Frühlings Erwachen" aus der Feder von Frank Wedekind.

Wendla, Moritz und all die anderen Schüler und Erwachsenen sind Figuren aus diesem Stück und sie beweisen, dass die damalige Jugend ähnliche Probleme hatte wie die heutige – und zudem zeigen sie, welch verheerende Folgen es haben kann, wenn man, so wie Wendla, nicht aufgeklärt wird und im Alter von 14 Jahren immer noch an den Klapperstorch glaubt. Sie versteht nicht, warum sie schwanger ist – man kann doch schließlich nur schwanger werden, wenn man "sich von ganzem Herzen liebt" (so die Mutter) – und sie stirbt bald darauf, als die Mutter die Schande ihrer Tochter zu verbergen sucht und das Kind abtreiben lässt. Auch Moritz ist zu dieser Zeit schon nicht mehr am Leben – er hat sich aus Verzweiflung in den Kopf geschossen.

"Frühlings Erwachen" ist nach der "Welle" im letzten Jahr das zweite ernste Stück in Folge, das die Theater-AG spielte, wenngleich es auch ein paar lustige Stellen gibt, wie zum Beispiel eine Szene im Lehrerzimmer, wo das gesamte Kollegium erhaben thront und wichtigtuerisch diskutiert – allerdings nur darüber, ob man die Fenster im Zimmer nun lieber öffnen oder schließen sollte.
Auch wenn das Stück eindeutig zur "härteren Kost" gehört, hat es uns trotzdem wieder Spaß gemacht, es zu lesen, zu proben und schließlich aufzuführen. Besonders spannend waren das Erfinden individueller Macken für jeden einzelnen Lehrer und natürlich die Kostümanprobe, die so manche(n) bis zur Unkenntlichkeit entstellte und allgemein Mut zur Hässlichkeit abverlangte.

Durch viele Januar- und Februarwochenenden hindurch wurde in der dank eines kaputten Fensters "ausreichend ventilierten" Turnhalle geprobt, der Text gelernt und Schlaf auf einer der großen Matten nachgeholt – wohl mit Erfolg, wie die Aufführungen zeigten. Beide waren gelungen, was wir natürlich auch diesmal wieder Frau Pfander und Herrn Wilking und deren beider Regie, ihren Ratschlägen und ihrer unerschöpflicher Geduld zu verdanken haben. Nach dem unvermeidlichen Aufräumen der Turnhalle durch uns Schauspieler, Techniker und die Regie ging es zunächst einmal in den wohlverdienten Feierabend – oder wie der Geist von Moritz es auf seinem Grab ausdrückte: "So kehre ich denn zu meinem Plätzchen zurück, richte mein Kreuz auf, [...] und wenn alles in Ordnung, leg ich mich wieder auf den Rücken, wärme mich an der Verwesung und lächle."
Im Februar kommen wir wieder.

(Ana Makoter, Andrea Dennig, KS I)

Im Schuljahr 2009/10 spielte die Theater-AG > "Die Welle" nach dem Buch von Morton Rhue
Im Schuljahr 2008/09 spielte die Theater-AG > Eine Bearbeitung von Grimms Märchen
Im Schuljahr 2007/08 spielte die Theater-AG > "Was ihr wollt" von Shakespeare
Im Schuljahr 2006/07 spielte die Theater-AG > "Der gute Mensch von Sezuan" von Bert Brecht.

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