Theaterbesuch "Gegen die Wand"
Als Herr Elser hörte, dass die junge Oper das Stück "Gegen die Wand" (nach dem Film von Fatih Akin) inszenieren würde, entschied er, mit Schülern des katholischen Religionskurses eine Aufführung zu besuchen.Die Problematik des Films und der jungen Oper ist der klassische Konflikt zwischen der traditionell türkischen und der modernen westlichen Welt.
Sibel möchte ein freies Leben führen, doch sie ist abhängig von ihrer Familie. Sie hat sich an die strengen türkischen Traditionen zu halten. Ihr Bruder ist Stellvertreter des Vaters und hat Sibel zum Beispiel schon einmal die Nase gebrochen, weil er sie beim Händchenhalten erwischt hat. Sie wird kontrolliert und an einer "Leine" gehalten. Um dieser Abhängigkeit zu entfliehen, geht sie eine Scheinehe mit Cahit ein, da dadurch ihre Familie besänftigt wird, schließlich ist er Türke. In dieser Scheinehe kann sie nun "leben". Nun lebt sie auf sehr extreme Weise, indem sie zum Beispiel häufig ihren Bettpartner wechselt.
Film und Oper thematisieren interkulturelle Konflikte, vor denen die Hauptdarsteller in Drogen und Selbstzerstörung fliehen wollen. Indem sie unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol stehen, begeben sie sich in eine Welt, in der sie nicht von Traditionen und Kultur erdrückt werden. Häufig hört man in den Nachrichten von ähnlichen Fällen, in denen es im schlimmsten Fall mit einem Ehrenmord endet. Auch Sibel ist sich bewusst, dass ihr Bruder sie umbringen wird, wenn er von der unsittlichen Lebensweise erfährt, die die Ehre der Familie gefährdet.
Um uns auf das Stück vorzubereiten, beschäftigten wir uns mehrere Schulstunden lang mit dem Material zur Oper und zum Film. Zunächst erarbeiteten wir uns in Gruppen verschiedene Themen wie Interpretation und Muster. Die Ergebnisse präsentierten wir mit Power Point. In der letzten Stunde vor dem Opernbesuch machten wir etwas Besonderes:
Jeder bekam eine Rolle aus dem Stück mit einem passenden Satz zugeteilt, um sich in die jeweilige Figur hineinzuversetzen und sich vollkommen mit ihr zu identifizieren. Zu Beginn sollten wir diesen nur verschieden betonen (wütend, schüchtern, selbstbewusst, verzweifelt); eine sehr interessante und aufregende Übung, die uns zeigte, wie allein die Betonung eines Satzes sowohl Ausdruck als auch Körpersprache verändert. Später bekamen wir ein Percussion-Instrument und konnten unseren Satz singen und musikalisch begleiten.
Dann war es endlich so weit! Bei brennender Hitze trafen wir uns vor dem Kammertheater. Im Aufführungsraum selbst war es kühl, und wir waren gespannt auf das Stück. Da uns die Handlung bereits bekannt war, konnten wir uns voll und ganz auf die Inszenierung konzentrieren. Das Stück begeisterte durch den jungen Chor, die Abwechslung von türkischen und westlichen Gesängen und Klängen, ein beeindruckendes Bühnenbild, fantastische Stimmen und gezielt gesetzte Symbole (die Abhängigkeit vom Vater wurde beispielsweise durch Hundeleinen dargestellt). Das Stück ist sehr zu empfehlen, aber vielleicht kann uns jemand anderes erklären, was der Hase zu bedeuten hatte.
Zum Schluss der Einheit schauten wir noch den mit vielen Preisen ausgezeichneten Film "Gegen die Wand" an.
Wir bedanken uns bei Herrn Elser für diese abwechslungsreiche und spannende Unterrichtseinheit.
(Katharina Riehle, 11c und Ana Makoter, 11b)
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(Foto: Sigmund, Staatstheater Stuttgart)
v.l. Svetislav Stojanovic (Bruder), Thomas Fleischmann (Vater), Trine Øien (Mutter), Tereza Chyňavová (Sibel)
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